Reise an und dieses Mal ging es in den Süden!
Genau gesagt ging es für mich nach Paraná, dem ehemaligen Heimatstaat meiner Schwester. Allerdings besuchte ich nicht ihre Stadt sondern die berühmten Wasserfälle "Foz do Iguaçu". Eine knappe Woche verbrachte ich dort mit um die 70 anderen Austauschschülern. Neben den wunderschönen Wasserfällen in Brasilien besuchten wir ebenfalls die argentinische Seite der Wasserfälle, wie auch Paraguay. Neben der wunderschönen Natur, die ich persönlich auf die Liste der Weltwunder gesetzt habe, besuchten wir nebenbei noch einen Vogelpark mit vielen exotischen Vögeln und Reptilien. Dies war sehr schön, da beinahe alle Vögel aus Brasilien kamen und sie mir somit echter vorkamen als Papageien in Deutschland.
Für mich war dieser Trip viel zu schnell vorbei, da meine letzte Reise einen ganzen Monat gedauert hat, hier habt ihr eine kleine Zusammenfassung der 11. Städte die wir mit 50 Austauschschülern aus 19 Ländern erkundigt haben:
Auf jeden Fall ging es nach der Wasserfallreise wieder nach Hause, allerdings in mein neues Zuhause, denn noch vor der Reise habe ich zum letzten Mal meine Familien gewechselt.
Ich erinnere mich noch genau als ich bei meiner ersten Familie eingezogen bin, und jetzt schon die dritte? Unvorstellbar.
So was passierte nach der Reise? Ich konnte leider keinen Blog schreiben, da uns das Internet so wie das Telefon abgeschnitten wurde. Meine mamae sagt, dass es irgendwelche Drogendealer gewesen wären, die das Kabel verkaufen würde. Bedankt! Aber auch der Strom fällt hier gelegentlich aus, doch ich muss sagen: Brasilien ist nicht gleich Deutschland und wenn man dafür den Strand quasi vor der Haustür hat, nimmt man das doch gerne in Kauf!
Was ich weniger gerne in Kauf genommen habe war der Streik. Vielleicht bekommt ihr das auch gerade ein bisschen aus Rio mit, aber ganz so schlimm war es hier nicht. Ob die ganze Situation in Rio wirklich so dramatisch ist wie ihn die Medien wieder geben, müsst ihr selber beurteilen, aber ich habe einige Freunde die in Rio leben und diese meinen, dass es in Rio "ruhig" ist. Auch war ich ehrlich gesagt überrascht, als ich in den deutschen Nachrichten gelesen habe, dass sich die Touristen in ihren Hotels versteckt haben, denn ich kenne so einige Leute die gerade Urlaub dort machen und ich von ihnen nicht dergleichen gehört habe. Natürlich ist Rio gefährlich, das Stelle ich auch gar nicht Frage! Auch hier in Brasilien wird in den Nachrichten von dramatischen Ausschreitungen berichtet, aber dann berichten die Leute vor Ort etwas anderes. Wenn ihr mich fragt, ist dies ziemlich verwirrend.
Was ich euch aber mit Sicherheit sagen kann ist, dass der Streik in Salvador nicht weniger dramatisch war als es berichtet wurde.
Am 14.04. warf ich kurz vor dem Schlafen noch schnell einen Blick auf mein Handy und sah um die 40 neue Nachrichten aus meiner brasilianischen Klassengruppe ich übersprang die Nachrichten nur schnell, da es meistens uninteressante Hausaufgaben sind, aber dann sah ich ein Bild, welches nicht gerade nach Hausaufgaben aussah:
Dieses Bild stammt angeblich aus Salvador, der Hauptstadt meines Staates Bahia, und als ich mir die Nachrichten durchlas bekam ich mit, dass der Streik dort ausgebrochen ist. Nunja, dies war doch spannender als Hausarbeiten und zu aufregend um zu schlafen.
Streik in Brasilien läuft allerdings etwas anders ab, als man es aus Deutschland kennt. Nein, es laufen nicht ein paar Bürger mit Pfeifen und Pappeplakaten durch die Straßen, sondern gefährlicher. Die Busfahrer streikten für mehr Lohn und in diesem Fall läuft ein Streik nicht mit geparkten Bussen ab, sondern mit brennenden Bussen oder mit brennenden Straßen. Aber um euch genau erklären zu können wie der Streik hier abläuft, hätte ich es selber sehen müssen, aber als dannach noch die Polizei anfing zu streiken, verließ ich an dem Tag das Haus nicht. Am Tag davor lief ich noch an Polizisten vorbei, welche Maschinengewehre in den Händen hielten und dann ganz ohne Sicherungen den Kleinkriminellen auf der Straße zu begegnen, brauchte ich jetzt nicht unbedingt.
In Salvador allerdings war die Stadt ein paar Tage tot, denn keiner verließ das Haus. Nach ein paar Tagen rückte eine Sonderpolizei an und nun ist alles wieder unter Kontrolle.
Aber trotz all dem machte ich kleine Wochenausflüge, zum einen verschlug es mich nach Itacaré mit einer französischen Austauschschülerin und ihrer Gastmama. Ja was soll ich sagen, etwas Sonnenbrand war da wohl vorprogrammiert..

Über das Osterwochenende ging es für mich in eine brasilianische Kleinstadt, der Heimatstadt meines papae (mein neuer Gastvater). Der Name der Stadt lautet Potiragua und hat 8.000 Einwohner, aber ehrlich gesagt, empfehle ich nicht es zu googlen, denn dann bekommt ihr einfalsches Bild. Das tolle an dieser Stadt war, dass sie so klein und ungefährlich war. In Ilhéus kann ich nachts nicht durch die Straßen laufen, selbst wenn Brasilianer sagen, dass Ilhéus auch nur eine Kleinstadt ist mit 220.000 Einwohnern. ![]() |
| Hier wurde der Kreuzweg Jesu nachgestellt |
Da meine Familie doch sehr religiös ist besuchten wir die Kirche am
Karfreitag und ich muss sagen: Ich habe es geliebt! Alle haben zusammen
gesungen, geklatscht getanzt und sogar geweint. Während meine Gasttante
ein Gebet in ein Mikrofon rief, jubelte immer jemand "Hallelulja" oder
"Amen".
Zurück in meiner Stadt habe ich zusammen mit meiner mamae und Schwester einen "Abrigo" besucht. Wenn man dieses Wort ins deutsche übersetzt, stoßt man auf ein Wort wie "Schutz" oder "Unterschlupf", welches die Sache ein wenig beschreibt. Es ist eine Art Altenheim, aber für arme und sehr kranke Menschen und kann es auf keinen Fall mit einem deutschem Gebäude vergleichen. Es ist eine kirchliche Einrichtung und Bilder wie diese werde ich nie vergessen. Zusammen besuchten wir sie und fütterten sie mit "Mingau", welches Haferbrei sehr ähnelt. Allerdings war es mit Mais angerührt und wurde dadurch für mich eher zu einem süßem Maisbrei, klingt vielleicht komisch, aber in einem Land in dem man Käse mit Zucker isst nicht besonders verwunderlich. Nachdem alle ihre Tasse Mingau getrunken hatten, wurden die Herrschaften schick gemacht, dies hieß für die Männer, dass sie rasiert wurden und für die Frauen, dass sie ihre Nägel gemacht wurden. Auch für Kinder, deren Eltern Drogen oder Alkoholprobleme haben, gibt es eine ähnliche Einrichtung und ich hoffe sehr, dass ich eine Gelegenheit finden werde um diese Kinder ebenfalls zu besuchen.
Acht Monate, beinahe neun Monate bin ich nun schon hier und ich hatte noch keinen Kulturschock. Ehrlich gesagt kam ich mir schon vor wie in Trance, dass ich vielleicht die Dinge nur von einer Seite, nämlich der schönen/der Touristenseite sehe. Sogar die "Gemeinden" (wie man sie hier in Brasilien aus Respekt nennt und nicht mehr wie euch bekannt als Favelas) wurde uns als bunt angemalte Häuser mit Musik und Grillpartys vorgestellt.
Aber nun hat es auch mich erwischt. Zuerst möchte ich euch eines erkären: Jaa, ich gehe hier zur Schule, aber da sie für mich in Deutschland nicht zählt, habe ich meine mamae einen Tag lang bei ihrer Arbeit im Krankenhaus begleitet. Und woran denkt ihn nun? An eine Ärztin die durch ein grell weißes Krankenhaus läuft, welches nach Desinfektionsspray riecht? Vielleicht hätte ich dies in Deutschland gesehen aber in Brasilien nicht. Dazu muss ich aber sagen, dass es ein öffentliches Krankenhaus war, was heißt, dass jeder ohne Krankenversicherung hier eine Behandlung bekommt, welche vom Staat bezahlt wird. Kligt doch eigentlich super, aber das war es nicht. "Oh heute ist gar nicht so viel los", sagte meine mamae, aber das kann ich in meinen Augen nichtso sehen. Die Flure standen voll mit Patientenbetten, welche zu schwach waren um sich die Fliegen aus dem Gesicht zu wischen, Augenringe so tied, dass man sich darin verlieren kann, und teilweise keine Gliedmaßen mehr. In den Zimmern waren mindestens sechs Personen untergebracht, in dem Kinderzimmer waren es um die 20. Durch die meisten Räume zog sich ein unangenehmer Geruch von Urin und meine mamae meinte, dass der schlimmste Bereich an diesem Tag geschlossen wäre, ich weiß nicht wie viel schlimmer es hätte sein können. Selbst Stromausfällte kommen hier gelegentlich vor und ich frage mich und euch ganz ehrlich: Ist ein Stadion wichtiger als diese Menschenleben?
In dem Krankenhaus haben mich die Leute doch sehr teilweise kritisch angeguckt und mir wurden Sätze gesagt wie "Jaha, das ist Brasilien!" oder "In Deutschland habt ihr keinen armen Leute.". Natürlich meinte dies keiner böse, und ich ziehe meinen Hut vor jeder einzelnen Person, die Tag für Tag in dieses Krankenhaus unter diesen Bedingungen arbeitet um kranken Menschen zu helfen.
Meiner Meining nach ist Brasilien nicht bereit der Gastgeber der Weltmeisterschaft zu sein und ich verstehe nicht wieso die Welt es nicht versteht oder es nicht sieht! Und damit Teile ich die Meinung einiger Brasilianer, alle mit denen ich mich über die Weltmeisterschaft unterhalten habe, halten dieses Fußballspektakel für keine gute Idee. Und es ist spührbar, man hat die Stimmung noch nicht, beschweren sich die meisten Brasilianer. Ich weiß nicht wie es normaler Weise vor einer WM ist, aber die ganze Stadt ist in grün - gelb geschmückt und im Fernseher läuft Werbung für die Weltmeisterschaft rauf und runter. Was ich ebenfalls sehr interessant finde ist, dass hier auch immer von dem großen Fortschritt Brasiliens im Fernseher berichtet wird, zum Beispiel der große Straßenausbau oder ähnliches. Aber muss man darüber wirklich im Fernseher berichten? Wenn es ein so großer Fortschritt wäre, würde man es dann nicht von alleine bemerken?
Häufig werde ich gefragt für wen ich denn meine Daumen drücken werde, und wenn ich "Brasilien" sage, werde ich von meinen deutschen Freunden ausgebuht und von Brasilianern in den Arm genommen. Aber die Brasilianer sind sich nicht sicher wem sie ihre Daumen drücken werden, da dieses Land das Geld besser in Bildung oder Krankenversicherungen stecken sollte (so wird es mir häufig erklärt) und die Regierung nicht diese Bestätigung bekommen sollte.
Aber wenn ich so drüber nachdenke, finde ich, dass die Weltmeisterschaft nun nicht zu besuchen auch keine Lösung wäre, denn dann würde Brasilien total auf die Nase fallen.
Dies waren nun erstmal alle Neuigkeiten und ich bin jetzt erst einmal bis Mitte Mai nicht erreichbar, denn meine nächste Reise ruft!
Bis nach meinem nächsten Abenteuer,
Küsschen,
Csilla
https://www.youtube.com/watch?v=pChBIBDZm5w



